Anna Palarczyk

Anna Palarczyk (geb. Szyller), 1918 in Krakau (heute Polen) geboren, wurde wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Untergrundorganisation im Juni 1942 in ihrer Heimatstadt von der GestapoGestapo
→ <Geheime Staatspolizei>
verhaftet und im August 1942 ins FrauenkonzentrationslagerFrauenkonzentrationslager
Von März bis August 1942 gab es in den Blöcken 1 bis 10 des → Stammlagers ein Frauenkonzentrationslager, das bis Sommer 1942 dem Konzentrationslager Ravensbrück (nördlich von Berlin) unterstellt war. Im August 1942 wurden die weiblichen Häftlinge in den Lagerabschnitt BIa in Birkenau verlegt. BIa und ab Juli 1943 auch BIb bildeten das Frauenkonzentrationslager in Birkenau. Weibliche Häftlinge gab es auch in den Lagerabschnitten BIIb (→ Theresienstädter Familienlager) und BIIe (→ Zigeunerlager) sowie seit Sommer 1944 auch in BIIc (Durchgangslager für Jüdinnen aus Ungarn) und in BIII (→ „Mexiko“). Im Herbst 1944 wurden in Blöcken, die in der Nähe des Stammlagers (die sogenannte Lagererweiterung) erbaut worden waren, Häftlingsfrauen untergebracht.
in BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
(BIa) verbracht. Als Häftling Nummer 17.524 wurde sie registriert. Palarczyk wurde von der SS als sogenannte Blockschreiberin und später als BlockältesteBlockälteste
Ein Häftling, der von der → SS als Aufsicht über die Insassen eines Blocks eingesetzt wurde, nannte man „Blockältester“. Diese Funktionshäftlinge, sofern sie sich als Handlanger der SS missbrauchen ließen, waren Herren über Leben und Tod der Häftlinge. Nicht wenige Blockälteste verhielten sich aber solidarisch mit den Kz-Insassen und dienten nicht als Werkzeug der SS.
eingesetzt. Im Januar 1945 ging Palarczyk zusammen mit den Häftlingen des Lagers auf den TodesmarschTodesmarsch
Als im Januar 1945 die Rote Armee sich Auschwitz näherte, beschloss die → SS, das Lager zu „evakuieren“, das heißt, die Häftlinge in streng bewachten Marschkolonnen nach Westen zu treiben. Bei eisiger Kälte, im Schnee, schlecht bekleidet und meist ohne Proviant marschierten die Häftlinge kilometerweit über die Landstraßen. Die Strapazen, die Kälte verursachten, dass viele Häftlinge vor Erschöpfung zusammenbrachen und von der → SS erschossen wurden. Tausende kamen auf diese Weise ums Leben.
. In Loslau/Wodzisław Śląski, rund 60 Kilometer westlich von Auschwitz gelegen, wurde Palarczyk in einen offenen Güterwagen verladen.
Zur Zeit ihrer Vernehmung im Oktober 1964 war die Zeugin Anna Palarczyk 46 Jahre alt und arbeitete als Archivarin in Krakau/Polen.

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Hörbeispiel:
Zeugin Anna Palarczyk:
Więc w ambulatorium to widziałam szereg razy całkiem małe noworodki zawinięte w ligninę, które tak leżały, dopóki nie umarły. Viele Male.
Dolmetscherin Kapkajew:
Im Ambulatorium habe ich viele Male ganz kleine, also neugeborene Kinder, gesehen, die in Lignin [d.i. ein makromolekularer Naturstoff, der durch Einlagerung in die Zellmembran die Verholzung von Pflanzenzellen bewirkt] eingewickelt dort lagen, bis sie gestorben sind.
Zeugin Anna Palarczyk:
Tak, to widziałam na własne oczy.
Dolmetscherin Kapkajew:
Das habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen.
[...]
Zeugin Anna Palarczyk:
Wiadomo było w 42 roku, jeżeli kobieta była w ciąży, nie wracała już z rewiru nigdy: ani ona, ani dzieci.
Dolmetscherin Kapkajew:
Es war ja bekannt im Jahre 1942, dass eine Frau, die ein Kind erwartete, dass weder sie noch ein Kind lebend aus dem Revier zurückgekommen ist.
(100./101. Verhandlungstag, 15./16.10.1964)

Erläuterung:

In Auschwitz wurde im März 1942 zunächst im sogenannten StammlagerStammlager
→ Auschwitz I
(Auschwitz IAuschwitz I
Im November 1943 wurde der Lagerkomplex Auschwitz administrativ dreigeteilt: Das → Stammlager, das seit Mai 1940 existierende, erhielt die Bezeichnung Auschwitz I.
) in den Blöcken 1 bis 10 ein FrauenkonzentrationslagerFrauenkonzentrationslager
Von März bis August 1942 gab es in den Blöcken 1 bis 10 des → Stammlagers ein Frauenkonzentrationslager, das bis Sommer 1942 dem Konzentrationslager Ravensbrück (nördlich von Berlin) unterstellt war. Im August 1942 wurden die weiblichen Häftlinge in den Lagerabschnitt BIa in Birkenau verlegt. BIa und ab Juli 1943 auch BIb bildeten das Frauenkonzentrationslager in Birkenau. Weibliche Häftlinge gab es auch in den Lagerabschnitten BIIb (→ Theresienstädter Familienlager) und BIIe (→ Zigeunerlager) sowie seit Sommer 1944 auch in BIIc (Durchgangslager für Jüdinnen aus Ungarn) und in BIII (→ „Mexiko“). Im Herbst 1944 wurden in Blöcken, die in der Nähe des Stammlagers (die sogenannte Lagererweiterung) erbaut worden waren, Häftlingsfrauen untergebracht.
eingerichtet. Das Frauenlager war mit einer Mauer vom MännerlagerMännerlager
Die Lagerabschnitte BIb und BIId werden in der Literatur speziell „Männerlager“ genannt, obgleich in anderen Teilen des Lagers auch männliche Häftlinge untergebracht waren.
getrennt. Im August 1942 wurden alle Häftlingsfrauen in das Lager BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
, das seit Oktober 1941 bestand, verlegt; zunächst in den Lagerabschnitt BIa, ab Juli 1943 gehörte auch der Lagerabschnitt BIb zum Frauenlager. Das Frauenlager hatte einen HäftlingskrankenbauHäftlingskrankenbau
In den Konzentrationslagern wurden Blöcke bzw. Baracken eingerichtet, in denen kranke Häftlinge medizinisch versorgt werden sollten. → SS-Lagerärzte und → SS-Sanitätsdienstgrade waren die Vorgesetzten von → Häftlingsärzten und -pflegern, die sich mit den wenigen zur Verfügung stehenden medizinischen Mitteln um die erkrankten Häftlinge kümmerten. Der Aufenthalt im → Krankenbau war für die Lagerinsassen mit einem hohen Risiko verbunden. Wurden die Kranken innerhalb kurzer Zeit nicht wieder „arbeitsfähig“ und konnten ins Lager entlassen werden, fielen sie Selektionen zum Opfer. Die → SS-Ärzte, assistiert von den Sanitätsdienstgraden, wählten die Kranken aus und schickten sie in den Tod: Sie wurden vergast oder mit → Phenolinjektionen getötet.
, auch Revier genannt, in dem kranke Häftlingsfrauen mit den vollkommen unzureichenden Möglichkeiten, die die SS zur Verfügung stellte, behandelt wurden. Frauen, bei denen die SS-Aufseherinnen eine Schwangerschaft feststellten, fielen häufig SelektionenSelektionen
Die Auswahl oder Aussonderung von Häftlingen und von nach Auschwitz verschleppten Juden auf der → Rampe wurde „Selektion“ genannt. Selektion innerhalb des Lagers konnte für die Häftlinge zweierlei bedeuten: Verbleib im Lager bzw. Überstellung in ein anderes Lager oder Ermordung: Tod in der Gaskammer, Tötung mit Injektionen, Erschießung. Für nach Auschwitz verschleppte Juden hieß Selektion auf der Ankunftsrampe: Verbringung ins Lager zur Sklavenarbeit oder sofortige Ermordung in den Gaskammern.
zum Opfer. Sie wurden aussortiert und ermordet. Gebar eine Frau heimlich ein Kind, wurde regelmäßig das Neugeborene nach seiner Entdeckung durch die SS getötet. Oftmals geschah es auch, dass die Mutter mit dem Neugeborenen zusammen getötet wurde.