Heinrich Dürmayer

Heinrich Dürmayer, 1905 in Wien geboren, schloss sich im Spanischen Bürgerkrieg den Internationalen Brigaden an und verteidigte die spanische Republik gegen die von General Francisco Franco angeführten Truppen. Nach der Niederlage der Republikaner floh Dürmayer nach Frankreich, wurde dort interniert und nach dem Waffenstillstand zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich von französischen Stellen an die GestapoGestapo
→ <Geheime Staatspolizei>
ausgeliefert. Nach einjähriger Untersuchungshaft in Wien wurde er in das KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Flossenbürg (Oberpfalz) transportiert. Von dort kam er im Januar 1944 nach Auschwitz. In Auschwitz IAuschwitz I
Im November 1943 wurde der Lagerkomplex Auschwitz administrativ dreigeteilt: Das → Stammlager, das seit Mai 1940 existierende, erhielt die Bezeichnung Auschwitz I.
(StammlagerStammlager
→ Auschwitz I
) war Dürmayer ab August 1944 LagerältesterLagerältester
Die → SS führte durch eine Hierarchisierung der Häftlingsgesellschaft eine sogenannte Häftlingsselbstverwaltung ein. Selbstverständlich verwalteten sich die Lagerinsassen nicht selbst. Die von der SS mit bestimmten Funktionen betrauten Häftlinge, die sogenannten → Funktionshäftlinge, sollten der SS als Werkzeug und Handlanger dienen. Viele Funktionshäftlinge ließen sich im Sinne der SS und zum Nachteil der Lagerinsassen missbrauchen. Andere aber widersetzten sich der erzwungenen Kollaboration und versuchten, den Mithäftlingen zu helfen. Der oberste Funktionshäftling eines Lagers wurde „Lagerältester“ genannt. Er war der SS gegenüber verantwortlich.
. Im Januar 1945 ging Dürmayer auf den TodesmarschTodesmarsch
Als im Januar 1945 die Rote Armee sich Auschwitz näherte, beschloss die → SS, das Lager zu „evakuieren“, das heißt, die Häftlinge in streng bewachten Marschkolonnen nach Westen zu treiben. Bei eisiger Kälte, im Schnee, schlecht bekleidet und meist ohne Proviant marschierten die Häftlinge kilometerweit über die Landstraßen. Die Strapazen, die Kälte verursachten, dass viele Häftlinge vor Erschöpfung zusammenbrachen und von der → SS erschossen wurden. Tausende kamen auf diese Weise ums Leben.
von Auschwitz nach Loslau/Wodzisław Śląski (60 Kilometer westlich von Auschwitz) und von dort mit einem Transport ins KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Mauthausen (bei Linz) in Österreich. In Mauthausen wurde er im Mai 1945 von der amerikanischen Armee befreit.
Zur Zeit seiner Vernehmung im Juni 1964 war der Zeuge Heinrich Dürmayer 59 Jahre alt und lebte als Rechtsanwalt in Wien.

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Hörbeispiel:
Und dazu möchte ich feststellen nochmals: Ausnahmslos – denn wenn es einen Einzigen gegeben hätte, würden wir das wissen, denn für den Mann hätten wir uns interessiert, der Mann wäre aufgefallen, den Mann hätten wir getrachtet, für uns zu gewinnen, irgendwie auszunützen –, ausnahmslos haben sich zu diesem Dienst an der RampeRampe
Der Ort entlang von Bahngleisen, an dem die nach Auschwitz verschleppten Juden selektiert wurden, wird „Rampe“ genannt. In Auschwitz gab es für die Transporte des → Reichssicherheitshauptamts (RSHA) mit Juden aus ganz Europa zwei Selektionsrampen: die → „Alte Rampe“ und die → „Neue Rampe“.
alle Block- und RapportführerRapportführer
Für das sogenannte Schutzhaftlager (das umzäunte und bewachte Lager mit den Häftlingsbaracken) war der Schutzhaftlagerführer verantwortlich. Ihm unterstand ein SS-Unterführer ( → SS-Rang), der in der Funktion eines Rapportführers für den zahlenmäßigen Lagerstand, die „Lagerstärke“, zuständig war.
gedrängt. Und wenn sie nachher zurückgekommen sind ins Lager, haben sie untereinander erzählt, was sie alles dabei ... „Ich habe eine Flasche Schnaps.“ „Ich habe einen Ring.“ „Ich habe das.“ „Dem Juden habe ich so viel Geld weggenommen.“ Und so weiter. Das waren die Gespräche, wie sie nachher geführt worden sind.
(58./59. Verhandlungstag, 22./25.6.1964)

Erläuterung:
Seit Mitte 1942 wurden die Menschentransporte, die das ReichssicherheitshauptamtReichssicherheitshauptamt
1939 wurde das SS-Reichssicherheitshauptamt (RSHA) gegründet. Seine Leiter waren Reinhard Heydrich (1904–1942) und Ernst Kaltenbrunner (1903–1946). Unter dem Dach des RSHA wurden die Sicherheitspolizei (Geheime Staatspolizei und Kriminalpolizei) und Sicherheitsdienst (SD) adminstrativ zusammengefasst. Das RSHA plante und organisierte den Mord an den europäischen Juden.
der SS in Berlin (Referat IV B 4, geleitet von SS-Obersturmbannführer Adolf EichmannEichmann
Adolf Eichmann (1906–1962) war im → Reichssicherheitshauptamt (RSHA) Leiter des sogenannten Judenreferats und organisierte zusammen mit den lokalen Gestapostellen die Transporte mit Juden aus ganz Europa in die → Vernichtungslager.
) organisierte und durch die Gestapostellen im Deutschen Reich und den besetzten Ländern durchführen ließ, unmittelbar nach der Auskunft in Auschwitz einer sogenannten SelektionSelektion
Die Auswahl oder Aussonderung von Häftlingen und von nach Auschwitz verschleppten Juden auf der → Rampe wurde „Selektion“ genannt. Selektion innerhalb des Lagers konnte für die Häftlinge zweierlei bedeuten: Verbleib im Lager bzw. Überstellung in ein anderes Lager oder Ermordung: Tod in der Gaskammer, Tötung mit Injektionen, Erschießung. Für nach Auschwitz verschleppte Juden hieß Selektion auf der Ankunftsrampe: Verbringung ins Lager zur Sklavenarbeit oder sofortige Ermordung in den Gaskammern.
unterzogen. SS-Leute, meist SS-Führer in verschiedenen Dienststellungen (insbesondere SS-Ärzte) und SS-Unterführer (z. B. Block- und RapportführerRapportführer
Für das sogenannte Schutzhaftlager (das umzäunte und bewachte Lager mit den Häftlingsbaracken) war der Schutzhaftlagerführer verantwortlich. Ihm unterstand ein SS-Unterführer ( → SS-Rang), der in der Funktion eines Rapportführers für den zahlenmäßigen Lagerstand, die „Lagerstärke“, zuständig war.
) trafen auf der „Alten RampeRampe
Der Ort entlang von Bahngleisen, an dem die nach Auschwitz verschleppten Juden selektiert wurden, wird „Rampe“ genannt. In Auschwitz gab es für die Transporte des → Reichssicherheitshauptamts (RSHA) mit Juden aus ganz Europa zwei Selektionsrampen: die → „Alte Rampe“ und die → „Neue Rampe“.
“ am Güterbahnhof von Auschwitz und ab Mai 1944 auf der „Neuen RampeRampe
Der Ort entlang von Bahngleisen, an dem die nach Auschwitz verschleppten Juden selektiert wurden, wird „Rampe“ genannt. In Auschwitz gab es für die Transporte des → Reichssicherheitshauptamts (RSHA) mit Juden aus ganz Europa zwei Selektionsrampen: die → „Alte Rampe“ und die → „Neue Rampe“.
“ in BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
die Entscheidung über Leben und Tod der Deportierten. Sie wählten diejenigen aus, die direkt zur Ermordung in die GaskammernGaskammern
Die Räume, in denen in Auschwitz Menschen mit dem Giftgas → Zyklon B ermordet worden sind, die Gaskammern, wurden von der → SS in den Bauplänen meist „Leichenkeller“ genannt. Gaskammern gab es im Lagerkomplex Auschwitz an insgesamt sieben Stellen: Im → Krematorium I, in den umgebauten Bauernhäusern in Birkenau (→ Bunker Nr. 1 und → Bunker Nr. 2) und in den → Krematorien II bis V. Die Gaskammern hatten gasdichte Türen mit einem Guckloch, Vorrichtungen zum Einschütten von → Zyklon B (Einwurfluken) und teilweise auch Ventilationssysteme, um die Luft absaugen zu können.
verbracht, und diejenigen, die ins Lager zur Zwangsarbeit eingewiesen wurden. Der Rampendienst wurde von vielen SS-Angehörigen mit Vorliebe versehen, denn er bot Gelegenheit, sich am Hab und Gut der deportierten Juden zu bereichern. Darüber hinaus erhielten die SS-Leute, die ihren Dienst auf der RampeRampe
Der Ort entlang von Bahngleisen, an dem die nach Auschwitz verschleppten Juden selektiert wurden, wird „Rampe“ genannt. In Auschwitz gab es für die Transporte des → Reichssicherheitshauptamts (RSHA) mit Juden aus ganz Europa zwei Selektionsrampen: die → „Alte Rampe“ und die → „Neue Rampe“.
ableisteten, begehrte Sonderrationen (Schnaps, Zigaretten). Der Zeuge Dürmayer, der Mitglied der Lagerwiderstandsbewegung war, konnte als Häftlingsfunktionär das Verhalten der SS-Leute gut beobachten.