Otto Wolken

Otto Wolken, 1903 in Wien geboren, wurde bereits im März 1938 („Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich) verhaftet und am 9. Juli 1943 nach Auschwitz deportiert (HäftlingsnummerHäftlingsnummer
Die → SS gab jedem ins Lager verbrachten Häftling eine Lagernummer.
Folgende Nummernserien gab es in Auschwitz:
Männer:
Nummernserie 1 – 202.499 (Vergabezeitraum: Mai 1940 bis Januar 1945); Nummernserie A-1 – A-20.000 (Vergabezeitraum: Mai bis August 1944); Nummernserie B-1 – B-14.897 ((Vergabezeitraum: Juli bis Dezember 1944)
Frauen:
Nummernserie 1 – 89.325 (Vergabezeitraum: März 1942 bis November 1944); Nummernserie A-1 – A-29.354 (Vergabezeitraum: Mai bis November 1944)
Sinti/Roma („Zigeuner“):
Männer: Z-1 – 10.097
Frauen: Z-1 – 10.849
Sowjetische Kriegsgefangene:
RKG-1 – 11.957

128.828). Den Mediziner Wolken setzte die SS als HäftlingsarztHäftlingsarzt
Die → SS setzte Häftlinge, die Mediziner von Beruf waren, als Häftlingsärzte und -pfleger in den Häftlingskrankenbauten ein. Die → SS-Ärzte behandelten Häftlinge nicht. Allein die Häftlingsärzte und -pfleger versuchten mit den wenigen vorhandenen Mitteln, den Kranken zu helfen.
im QuarantänelagerQuarantänelager
In den Konzentrationslagern war es eine von der → SS häufig geübte Praxis, neu ins Lager gekommene Häftlinge, sogenannte Zugänge, für Tage und Wochen in „Quarantäne“ zu halten, sie von den übrigen Häftlingen zu isolieren. Bereits krank ins Lager eingelieferte Menschen sollten auf diese Weise ausgesondert, das heißt, vernichtet werden; ebenso geschwächte, wenig widerstandsfähige Häftlinge, die in den Augen der → SS zur Sklavenarbeit nicht tauglich waren. Die „Quarantäne“ wurde in bestimmten Blöcken oder Baracken eingerichtet. Seit August 1943 gab es im Vernichtungslager → Birkenau im Lagerabschnitt BIIa ein „Quarantänelager“ für männliche Häftlinge, das bis Oktober 1944 existierte.
in BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
(BIIa) ein. Als das Lager Auschwitz aufgelöst wurde, blieb Wolken mit den kranken Häftlingen im Lager zurück und wurde am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit. Wolken machte bereits im Lager Aufzeichnungen und verfasste nach seiner Befreiung für die sowjetisch-polnische Kommission, die die Verbrechen im Konzentrations- und VernichtungslagerKonzentrations- und Vernichtungslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Auschwitz untersuchte, verschiedene Berichte.
Zur Zeit seiner Aussage im Februar 1964 war der Zeuge Otto Wolken 60 Jahre alt und lebte als Arzt in Wien.

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Hörbeispiel:
Die Ungarntransporte, die plötzlich eine Umwälzung im ganzen Betrieb mit sich brachten. Denn plötzlich funktionierte das Reisebüro EichmannEichmann
Adolf Eichmann (1906–1962) war im → Reichssicherheitshauptamt (RSHA) Leiter des sogenannten Judenreferats und organisierte zusammen mit den lokalen Gestapostellen die Transporte mit Juden aus ganz Europa in die → Vernichtungslager.
wieder, und es kamen Tag für Tag vier, fünf, sechs, manchen Tags sogar zehn Züge nach Auschwitz. Auf der RampeRampe
Der Ort entlang von Bahngleisen, an dem die nach Auschwitz verschleppten Juden selektiert wurden, wird „Rampe“ genannt. In Auschwitz gab es für die Transporte des → Reichssicherheitshauptamts (RSHA) mit Juden aus ganz Europa zwei Selektionsrampen: die → „Alte Rampe“ und die → „Neue Rampe“.
war großer Betrieb. Es wurden Tausende und Abertausende Menschen täglich vergast. Die KrematorienKrematorien
Die → SS ließ in den Konzentrationslagern durch Privatfirmen Krematorien bauen, um verstorbene und getötete Lagerinsassen beseitigen zu können. In Auschwitz wurde Anfang August 1940 das erste Krematorium fertiggestellt. Es handelte sich um einen Ofen mit zwei Brennkammern. Im Februar 1941 und im Mai 1942 kamen zwei weitere Öfen hinzu. In den seit Mitte 1942 in Birkenau erbauten Krematorien gab es in den Krematorien II und III jeweils fünf Öfen mit je drei Brennkammer, in den Krematorien IV und V jeweils einen Ofen mit je acht Brennkammern.
reichten nicht mehr aus, das anfallende Leichenmaterial aufzuarbeiten. Es wurden riesige Gräben gegraben, und zusätzlich zu der Arbeit im KrematoriumKrematorium
Die → SS ließ in den Konzentrationslagern durch Privatfirmen Krematorien bauen, um verstorbene und getötete Lagerinsassen beseitigen zu können. In Auschwitz wurde Anfang August 1940 das erste Krematorium fertiggestellt. Es handelte sich um einen Ofen mit zwei Brennkammern. Im Februar 1941 und im Mai 1942 kamen zwei weitere Öfen hinzu. In den seit Mitte 1942 in Birkenau erbauten Krematorien gab es in den Krematorien II und III jeweils fünf Öfen mit je drei Brennkammer, in den Krematorien IV und V jeweils einen Ofen mit je acht Brennkammern.
wurden noch Tausende Leichen in offener Grube verbrannt. Tag und Nacht loderte das Feuer, nachts war der Himmel weithin blutrot gefärbt. Und wenn der Wind schlecht stand, hatten wir im Lager den Gestank des verbrannten Fleisches.
(20. Verhandlungstag, 27.2.1964)

Erläuterung:
Von Mitte Mai bis Mitte Juli 1944, innerhalb von acht Wochen, wurden nach Berichten, die die deutsche Gesandtschaft in Budapest an das Auswärtige Amt in Berlin sandte, circa 438.000 Juden mit 147 Zügen aus Ungarn nach Auschwitz deportiert. Ein von SS-Obersturmbannführer Adolf EichmannEichmann
Adolf Eichmann (1906–1962) war im → Reichssicherheitshauptamt (RSHA) Leiter des sogenannten Judenreferats und organisierte zusammen mit den lokalen Gestapostellen die Transporte mit Juden aus ganz Europa in die → Vernichtungslager.
, Leiter des sogenannten Judenreferats im ReichssicherheitshauptamtReichssicherheitshauptamt
1939 wurde das SS-Reichssicherheitshauptamt (RSHA) gegründet. Seine Leiter waren Reinhard Heydrich (1904–1942) und Ernst Kaltenbrunner (1903–1946). Unter dem Dach des RSHA wurden die Sicherheitspolizei (Geheime Staatspolizei und Kriminalpolizei) und Sicherheitsdienst (SD) adminstrativ zusammengefasst. Das RSHA plante und organisierte den Mord an den europäischen Juden.
(RSHARSHA
→ Reichssicherheitshauptamt
) der SS, geleitetes Sondereinsatzkommando organisierte zusammen mit ungarischen Regierungsstellen und der Gendarmerie des Landes die Deportationen. Mehr als 300.000 Juden wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in den GaskammernGaskammern
Die Räume, in denen in Auschwitz Menschen mit dem Giftgas → Zyklon B ermordet worden sind, die Gaskammern, wurden von der → SS in den Bauplänen meist „Leichenkeller“ genannt. Gaskammern gab es im Lagerkomplex Auschwitz an insgesamt sieben Stellen: Im → Krematorium I, in den umgebauten Bauernhäusern in Birkenau (→ Bunker Nr. 1 und → Bunker Nr. 2) und in den → Krematorien II bis V. Die Gaskammern hatten gasdichte Türen mit einem Guckloch, Vorrichtungen zum Einschütten von → Zyklon B (Einwurfluken) und teilweise auch Ventilationssysteme, um die Luft absaugen zu können.
ermordet. Rund 100.000 nach Auschwitz Verschleppte kamen ins Lager. Tausende Juden, meist junge Frauen, wurden nach wenigen Tagen und Wochen in Lager im Innern des Deutschen Reiches zur Zwangsarbeit transportiert. Um die Todeszüge besser „abwickeln“ zu können, baute die Lagerleitung ein Anschlussgleis vom Auschwitzer Güterbahnhof, dem Standort der „Alten RampeRampe
Der Ort entlang von Bahngleisen, an dem die nach Auschwitz verschleppten Juden selektiert wurden, wird „Rampe“ genannt. In Auschwitz gab es für die Transporte des → Reichssicherheitshauptamts (RSHA) mit Juden aus ganz Europa zwei Selektionsrampen: die → „Alte Rampe“ und die → „Neue Rampe“.
“, direkt in das Vernichtungslager BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
. Die „Neue RampeNeue Rampe
1944 baute die → SS mitten in das Vernichtungslager einen dreiteiligen Gleisanschluss. Zwischen zwei Gleisen befand sich ein Bahnsteig, eine Plattform, von rund 10 Meter Breite. Der Gleisanschluss zusammen mit der Plattform wurde „Neue Rampe“ genannt. Auf dem Bahnsteig wurden die mit Sonderzügen der Deutschen Reichsbahn nach Auschwitz verschleppten Juden meist von →SS-Ärzten selektiert.
“ wurde erst im Mai 1944 fertiggestellt. Bei der großen Zahl der Deportierten reichte die Verbrennungskapazität der vier KrematorienKrematorien
Die → SS ließ in den Konzentrationslagern durch Privatfirmen Krematorien bauen, um verstorbene und getötete Lagerinsassen beseitigen zu können. In Auschwitz wurde Anfang August 1940 das erste Krematorium fertiggestellt. Es handelte sich um einen Ofen mit zwei Brennkammern. Im Februar 1941 und im Mai 1942 kamen zwei weitere Öfen hinzu. In den seit Mitte 1942 in Birkenau erbauten Krematorien gab es in den Krematorien II und III jeweils fünf Öfen mit je drei Brennkammer, in den Krematorien IV und V jeweils einen Ofen mit je acht Brennkammern.
von BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
nicht mehr aus. Die SS ließ von Häftlingen Gruben ausheben, in denen die ermordeten Juden unter freiem Himmel verbrannt wurden. Am 8. Juli 1944 verfügte das Staatsoberhaupt von Ungarn, Reichsverweser Miklós Horthy, auf vielfältigen Druck der Kriegsgegner des Deutschen Reiches, einen Stopp der Deportationen.