Werner Krumme

Werner Krumme, geboren 1909 in Dortmund, war von Februar 1943 bis Juli 1944 als politischer Häftling in Auschwitz. Er wurde unter der Nummer 99.166 registriert. Krumme war 1942 in Breslau zusammen mit seiner Ehefrau, die Jüdin war, verhaftet worden, weil sie zwei verfolgten jüdischen Frauen, Renate und Anita Lasker, zur Flucht nach Frankreich verhelfen wollten. Ebenso wie Krumme und seine Frau wurden die beiden jungen Frauen nach Auschwitz verbracht. Krumme war in der Abteilung tätig, die die „Arbeitseinsatz“ genannte Verwendung der Konzentrationslagerhäftlinge organisierte. Nach den Arbeitskräfteanforderungen von Lagerverwaltung und Firmen, die in Auschwitz und Umgebung ansässig waren, stellte die Abteilung die Häftlingsarbeitskommandos zusammen. Krumme wurde nach seiner Entlassung aus Auschwitz zur Wehrmacht eingezogen. In den Augen der Nationalsozialisten war der „Arier“ Krumme, dessen Ehefrau in Auschwitz ermordet worden war, nach dem Tod seiner jüdischen Frau wieder „wehrwürdig“. Wenige Wochen nach ihrer Einlieferung in Auschwitz kam Krummes Frau um. Ihr Tod wurde dem Häftling Krumme von einem SS-Mann mit folgenden Worten mitgeteilt: „Seien Sie froh, dass Sie das Judenschwein los sind.“
Zur Zeit seiner Aussage im Juli 1964 war der Zeuge Werner Krumme, der als Nebenkläger im Prozess zugelassen war und von den Frankfurter Rechtsanwälten Henry Ormond und Christian Raabe vertreten wurde, 55 Jahre alt. Von Beruf Handelsvertreter, lebte er in München.

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Hörbeispiel:
Es war doch so, dass die Arbeit im Lager lebenszerstörend wirken sollte. Ich hatte die Aufgabe, Anforderungen nach Fachkräften zu befriedigen. Ich musste also aus der Masse der Häftlinge irgendwelche Facharbeiter heraussuchen für bestimmte ArbeitskommandosArbeitskommandos
Eine Häftlingsgruppe, die von der → SS zu einer bestimmten Tätigkeit eingesetzt wurde, nannte man „Arbeitskommando“. Seitens der SS war ein „Kommandoführer“ für den Arbeitseinsatz der Häftlinge verantwortlich. Von der SS eingesetzte → Kapos, bei großen Arbeitskommandos Oberkapos, hatten Aufsichtsfunktionen auszuüben. Nicht wenige Kapos erwiesen sich als willige Handlanger der SS und drangsalierten die Häftlinge.
. Ich musste aber auch beinahe täglich ArbeitskommandosArbeitskommandos
Eine Häftlingsgruppe, die von der → SS zu einer bestimmten Tätigkeit eingesetzt wurde, nannte man „Arbeitskommando“. Seitens der SS war ein „Kommandoführer“ für den Arbeitseinsatz der Häftlinge verantwortlich. Von der SS eingesetzte → Kapos, bei großen Arbeitskommandos Oberkapos, hatten Aufsichtsfunktionen auszuüben. Nicht wenige Kapos erwiesen sich als willige Handlanger der SS und drangsalierten die Häftlinge.
ergänzen, weil täglich ein Ausfall an Menschen bestand, die zugrunde gegangen waren. Sie waren entweder als „Muselmänner“ – der Begriff ist ja hier schon oft gefallen – zugrunde gegangen, oder aber sie waren, in Parenthese, „auf der Flucht“ erschossen worden, oder sie waren totgeprügelt worden.
(63. Verhandlungstag, 9.7.1964)

Erläuterung:
In seiner Funktion als „Arbeitsdienst“ hatte der Zeuge Werner Krumme genaue Kenntnis von den verheerenden Auswirkungen der Zwangsarbeit auf die Gesundheit der Häftlinge. Viele ArbeitskommandosArbeitskommandos
Eine Häftlingsgruppe, die von der → SS zu einer bestimmten Tätigkeit eingesetzt wurde, nannte man „Arbeitskommando“. Seitens der SS war ein „Kommandoführer“ für den Arbeitseinsatz der Häftlinge verantwortlich. Von der SS eingesetzte → Kapos, bei großen Arbeitskommandos Oberkapos, hatten Aufsichtsfunktionen auszuüben. Nicht wenige Kapos erwiesen sich als willige Handlanger der SS und drangsalierten die Häftlinge.
waren sogenannte Todeskommandos. Die Chance, in diesen Kommandos zu überleben, war sehr gering. Häftlinge, die während des Arbeitseinsatzes zusammenbrachen, wurden oftmals von KaposKapos
Häftlinge, die auf Befehl der → SS andere Häftlinge zu beaufsichtigen hatten, wurden Kapo genannten. Ein Kapo befehligte zum Beispiel ein → Arbeitskommando und war in dieser Funktion auch Herr über Leben und Tod der Häftlinge.
oder SS-Posten erschlagen bzw. erschossen. Ausgezehrte, abgemagerte und erschöpfte Häftlinge, die sogenannten Muselmänner, wurden bei SelektionenSelektionen
Die Auswahl oder Aussonderung von Häftlingen und von nach Auschwitz verschleppten Juden auf der → Rampe wurde „Selektion“ genannt. Selektion innerhalb des Lagers konnte für die Häftlinge zweierlei bedeuten: Verbleib im Lager bzw. Überstellung in ein anderes Lager oder Ermordung: Tod in der Gaskammer, Tötung mit Injektionen, Erschießung. Für nach Auschwitz verschleppte Juden hieß Selektion auf der Ankunftsrampe: Verbringung ins Lager zur Sklavenarbeit oder sofortige Ermordung in den Gaskammern.
, zum Beispiel am Lagertor bei der Rückkehr der Arbeitskolonnen ins Lager, ausgewählt und zur Vernichtung in die GaskammernGaskammern
Die Räume, in denen in Auschwitz Menschen mit dem Giftgas → Zyklon B ermordet worden sind, die Gaskammern, wurden von der → SS in den Bauplänen meist „Leichenkeller“ genannt. Gaskammern gab es im Lagerkomplex Auschwitz an insgesamt sieben Stellen: Im → Krematorium I, in den umgebauten Bauernhäusern in Birkenau (→ Bunker Nr. 1 und → Bunker Nr. 2) und in den → Krematorien II bis V. Die Gaskammern hatten gasdichte Türen mit einem Guckloch, Vorrichtungen zum Einschütten von → Zyklon B (Einwurfluken) und teilweise auch Ventilationssysteme, um die Luft absaugen zu können.
verbracht. Eine Methode, „arbeitsunfähige“ Häftlinge zu töten, war die als „MützewerfenMützewerfen
Alle KZ-Häftlinge mussten Mützen tragen. Wollte ein SS-Mann, der ein → Arbeitskommando bewachte, einen Häftling willkürlich und eigenmächtig töten, warf er die Mütze des Häftlings über eine Linie, die in den Augen der → SS den bewachten Bereich begrenzte. Überschritt der Häftling, um seine Mütze zu holen, auf Befehl die Bewachungslinie, wurde er von den SS-Posten „auf der Flucht“ erschossen. Meist wurden die SS-Männer für ihre angebliche Verhinderung einer Flucht noch belobigt und mit Urlaubstagen und Sonderrationen belohnt.
“ bezeichnete Vorgehensweise der SS. Einem Häftling wurde von einem SS-Mann die Mütze vom Kopf gerissen und über eine Bewachungsgrenze. Dann wurde der Häftlinge gezwungen, die Mütze zu holen. Da er den von der SS bewachten Bereich überschritt, wurde er wegen angeblichen Fluchtversuchs erschossen.