Johann Schoberth

(17. Dezember 1922, Aufseß – 8. August 1988, Hollfeld)
Unehelich geboren, in bescheidenen Verhältnissen auf dem großelterlichen Bauernhof im Flecken Aufseß, Kreis Ebermannstadt, aufgewachsen, arbeitete Schoberth nach dem Besuch der siebenjährigen Volksschule ab 1936 zunächst in dem landwirtschaftlichen Betrieb, den nach dem Tod der Großeltern Schoberths Mutter übernommen hatte. Nebenher besuchte er noch eine Fortbildungsschule. Ab seinem 16. Lebensjahr war er bis zu seiner Einberufung zur Waffen-SS 1941 als Waldarbeiter tätig. An der Ostfront im März 1942 schwer verwundet kam Schoberth nach seiner Genesung im November desselben Jahres erneut zum Kriegseinsatz und erlitt abermals schwerste Versehrungen. Für den Kriegsdienst nicht mehr einsatzfähig kam er im Frühsommer 1943 nach Auschwitz und wurde zuerst der Poststelle und nachfolgend der Politischen Abteilung, Referat Standesamt, zugeteilt. Das Standesamt des Lagers Auschwitz war von besonderer Art: Hauptaufgabe war, den Tod von Häftlingen zu registrieren, Totenscheine zu schreiben, Sterbeurkunden auszustellen. Bis Sommer 1944 blieb Schoberth im KZKZ
→ Konzentrationslager
, glich die von unzähligen Häftlingsschreiberinnen maschinengeschriebenen Totenscheine mit den Personalakten der umgekommenen KZ-InsassenKZ-Insassen
→ Konzentrationslager
ab. Nach seinem Weggang von Auschwitz fand er bei verschiedenen SS-Einheiten als Ausbilder Verwendung und wurde in den letzten Wochen abermals an der Ostfront eingesetzt. Im April 1945 fiel Schoberth der Roten Armee verwundet in die Hände und wurde Ende August 1945 aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft in seinen Heimatort Aufseß entlassen. Bei der SS hatte es Schoberth nur bis zum SS-Unterscharführer gebracht. Der Heimkehrer wohnte wieder im mütterlichen Haus und führt zusammen mit der Mutter die kleine Landwirtschaft weiter. Neben Schatz war Schoberth der einzige Angeklagte, der nie in Untersuchungshaft genommen worden war.