Bruno Schlage

(11. Februar 1903, Trutenau – 9. Februar 1977, Minden)
Der in Ostpreußen geborene Arbeitersohn Bruno Schlage wuchs zunächst bei Königsberg und sodann in Itzehoe und Langerbrück in Schleswig-Holstein, wo seine Eltern einen Hof bewirtschafteten, auf. Nach dem Besuch der Volksschule war Schlage für kurze Zeit bei der Reichsbahn beschäftigt. Eine Ausbildung zum Maurergesellen und der Besuch einer Werkmeisterschule schlossen sich an. Der Maurerpolier Schlage war mit seiner Königsberger Firma viel im Baltikum tätig. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler trat Schlage außer der Deutschen Arbeitsfront keiner weiteren NS-Organisation bei. 1940 wurde Schlage zu einer Polizeiverfügungstruppe eingezogen, sodann einer im besetzten Polen stationierten SS-Einheit zugeteilt und zur Jahreswende 1940/1941 zum KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Auschwitz abkommandiert. Vier Jahre, bis zur Lagerräumung im Januar 1945, blieb Schlage in Auschwitz. Angehöriger einer Wachkompanie, BlockführerBlockführer
SS-Männer, denen befehlsgemäß Häftlingsblöcke unterstanden, wurden „Blockführer“ genannt. Die „Blockführer“ waren Herren über Leben und Tod der Insassen. Die → SS bediente sich sogenannter → Funktionshäftlinge, Block- und Stubenälteste, um in den Unterkünften der Häftlinge (Block, Baracke) „Ordnung“ im Sinne der Lagervorschriften der SS zu halten.
, Arrestaufseher im sogenannten Todesblock des StammlagersStammlagers
→ Auschwitz I
(Block 11Block 11
Im → Stammlager (→ Auschwitz I) wurde im Kellergeschoss von → Block 11 ein Lagergefängnis mit insgesamt 27 Zellen und vier sogenannten Stehzellen eingerichtet. Die Stehzellen hatten eine Fläche von 90 auf 90 cm. Durch eine kleine Tür am Fußboden mussten die Gefangenen in die Zellen kriechen. Im → „Stehbunker“ hat die → SS Häftlinge verhungern lassen.
) und Kommandoführer waren seine Funktionen im Lager. Am Ende des Zweiten Weltkriegs geriet er in polnische Gefangenschaft, aus der er erst im August 1949 entlassen wurde. Seinen Dienst in Auschwitz hat er polnischen Stellen gegenüber nicht preisgeben müssen. Schlage ging nach Dehme (unweit von Minden), wo seine Frau und seine beiden Söhne lebten. In bescheidenen Verhältnissen – so als Hausmeister einer Textilfabrik – lebend, wurde gegen Schlage im Zuge der Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wohl ein Haftbefehl erlassen, dieser aber nicht vollstreckt. Erst während der Hauptverhandlung, Mitte April 1964, nahm man ihn in Haft. Wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, erhielt er 1969 Strafaufschub und gelangte in Freiheit.