Herbert Scherpe

(20. Mai 1907, Gleiwitz/Oberschlesien – 23. Dezember 1997, Mannheim)
Aus der kinderreichen Familie eines Elektroinstallateurs stammend, wuchs Scherpe im oberschlesischen Gleiwitz auf. Nach der Volkschule ließ er sich zum Metzger ausbilden und machte die Gesellenprüfung, arbeitete aber nicht in seinem Beruf. Stattdessen war er im väterlichen Betrieb und bei Gleiwitzer Firmen bis 1930 als Hilfsarbeiter tätig. Nach dreijähriger Arbeitslosigkeit – Scherpe war 1931, vom deutschnationalen Elternhaus geprägt, in die NSDAP und die Allgemeine SS eingetreten – fand er Mitte 1933 als Hilfspolizist eine Beschäftigung. Messkontrolleur für die Kreisbauernschaft und Hilfsgrenzangestellter beim Zoll waren weitere Arbeitsverhältnisse. Seit Anfang 1936 bis zum Kriegsbeginn war Scherpe bei einem SS-Wachkommando tätig, das Militäreinrichtungen zu schützen hatte.
Mit Kriegsanfang wurde Scherpe zur SS-Totenkopfstandarte nach Dachau eingezogen und erhielt eine militärische Ausbildung. Ein Fronteinsatz blieb dem stark sehbehinderten SS-Angehöriger jedoch erspart. Vom Wirtschafts-Verwaltungshauptamt nach Oranienburg bestellt, absolvierte er eine kurze Sanitäterausbildung und wurde im Sommer 1940 im Rang eines SS-Unterscharführers nach Auschwitz kommandiert. Bis zur Auflösung des Lagers im Januar 1945 war Scherpe als Sanitätsdienstgrad im SS-RevierSS-Revier
Das Krankenhaus, in dem SS-Personal medizinisch behandelt wurde, hieß SS-Revier. Es war unmittelbar neben der Umzäunung des Stammlagers (Auschwitz I) in einem großen Steingebäude untergebracht. 1944 erbaute die Lageradministration unweit des Vernichtungslagers Birkenau ein SS-Lazarett. Ende Dezember 1944 wurde das Lazarett bei einem alliierten Luftangriff auf der Werke der → IG Farbenindustrie AG beschädigt.
und in Häftlingskrankenbauten des StammlagersStammlagers
→ Auschwitz I
(Auschwitz IAuschwitz I
Im November 1943 wurde der Lagerkomplex Auschwitz administrativ dreigeteilt: Das → Stammlager, das seit Mai 1940 existierende, erhielt die Bezeichnung Auschwitz I.
) und von Nebenlagern tätig. Die Bewachung eines Todesmarsches zum KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Groß-Rosen war – Scherpe zufolge – seine letzte, erwähnenswerte Tat auf Befehl von Hitlers Schutzstaffel. Als SS-Mitglied wurde er für kurze Zeit in Schleswig-Holstein interniert. Angaben über seine Zugehörigkeit zur Auschwitzer Lager-SS machte er wohlweislich nicht. Als Scherpe im August 1961 verhaftet wurde, arbeitete er als Pförtner bei einer Mannheimer Maschinenfabrik. Seine Untersuchungshaft währte bis zum Tag der Urteilsverkündung am 19. August 1965. Zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt wurde Scherpe in Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft auf freien Fuß gesetzt.