Willi Schatz

(1. Februar 1905, Hannover – 17. Februar 1985, Hannover)
Der Zahnarztsohn studierte nach dem Abitur, das er an einem hannoveranischen Gymnasium machte, in Göttingen Zahnmedizin, bestand 1932 das Staatsexamen und promovierte 1933. Im selben Jahr trat er der NSDAP bei und wurde Mitglied der SA. Die Partei schloss Schatz 1939 aber aus, weil ihm zur Last gelegt worden war, bei einer Abtreibung Beihilfe geleistet zu haben. Bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht im zweiten Kriegsjahr führte Schatz eine Zahnarztpraxis in seiner Heimatstadt. Seine Tätigkeit als Zahnarzt bei der Wehrmacht endete im Sommer 1943 mit seiner ÜberstellungÜberstellung
Wenn Häftlinge von einem Lager in ein anderes kamen, sprach die → SS von „Überstellung“ oder → „Verlegung“. Wurde ein Häftling „verlegt“, bedeutete dies, dass er meist am Leben blieb; wurde er „überstellt“, bedeutete dies meist seinen Tod.
zur Waffen-SS. Im Januar 1944 wurde Schatz nach Auschwitz versetzt und dort zum 2. SS-ZahnarztSS-Zahnarzt
Im Krankenhaus für das SS-Personal gab es auch eine Station für die zahnärztliche Versorgung der → SS. Die SS-Zahnärzte hatten im Zusammenhang mit der Menschenvernichtung in Auschwitz noch eine besondere Funktion. Sie waren dafür zuständig, dass die den Ermordeten ausgerissenen Goldzähne und die Goldkronen eingeschmolzen und das Gold an das → SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt in Oranienburg geschickt wurde. Das WVHA leitete sodann das Gold an die Reichsbank weiter.
bestimmt. Sein Vorgesetzter war der Angeklagte Dr. Willy Frank. Im Zusammenhang mit der Ermordung der Juden Ungarns im Sommer 1944 wurden auch die SS-Zahnärzte zum Rampendienst eingeteilt. Auch Schatz stand zusammen mit anderen SS-Führern bei der Ankunft von »Judentransporten« auf der RampeRampe
Der Ort entlang von Bahngleisen, an dem die nach Auschwitz verschleppten Juden selektiert wurden, wird „Rampe“ genannt. In Auschwitz gab es für die Transporte des → Reichssicherheitshauptamts (RSHA) mit Juden aus ganz Europa zwei Selektionsrampen: die → „Alte Rampe“ und die → „Neue Rampe“.
. Seinen Einlassungen zufolge selektierte er aber nicht, allein die Aussonderung von Medizinern für das Lager war nach Schatz sein Tun und Lassen auf der RampeRampe
Der Ort entlang von Bahngleisen, an dem die nach Auschwitz verschleppten Juden selektiert wurden, wird „Rampe“ genannt. In Auschwitz gab es für die Transporte des → Reichssicherheitshauptamts (RSHA) mit Juden aus ganz Europa zwei Selektionsrampen: die → „Alte Rampe“ und die → „Neue Rampe“.
gewesen.
Im Rang eines SS-Untersturmführers blieb Schatz bis Herbst 1944 in Auschwitz, wurde sodann zum KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Neuengamme versetzt. Im Norden Deutschland geriet er in britische Gefangenschaft, aus der er Ende Januar 1946 entlassen wurde. Schatz kehrte in seine Geburtsstadt zurück und führte seine Zahnarztpraxis fort. In Untersuchungshaft genommen wurde Schatz in Verlauf des Verfahrens nicht. Sein Freispruch im August 1965 erfolgte aus Mangel an Beweisen.