Josef Klehr

(17. Oktober 1904, Langenau/Oberschlesien – 23. August 1988, Leiferde, Krs. Gifhorn)
Klehr, Sohn eines Erziehers, machte nach der Volkschule im schlesischen Wohlau unweit von Breslau eine Tischlerlehre, legte 1921 die Gesellenprüfung ab und arbeitete in seinem Beruf. Tätigkeiten als Pförtner, PflegerPfleger
Die → SS setzte in den → Häftlingskrankenbauten Häftlinge, die meistens von Beruf Mediziner waren, als Häftlingspfleger ein.
und Hilfswachtmeister im Zuchthaus von Wohlau schlossen sich an. Ende 1932 trat Klehr der Allgemeinen SS bei, machte Militärübungen bei der Wehrmacht und erhielt eine Ausbildung zum Sanitäter. Kurz vor Kriegsbeginn wurde er zur Waffen-SS eingezogen. Wachdienst im KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Buchenwald und in der Funktion eines Sanitätsdienstgrads (SDGSDG
? Sanitätsdienstgrad
) Arbeit im HäftlingskrankenbauHäftlingskrankenbau
In den Konzentrationslagern wurden Blöcke bzw. Baracken eingerichtet, in denen kranke Häftlinge medizinisch versorgt werden sollten. → SS-Lagerärzte und → SS-Sanitätsdienstgrade waren die Vorgesetzten von → Häftlingsärzten und -pflegern, die sich mit den wenigen zur Verfügung stehenden medizinischen Mitteln um die erkrankten Häftlinge kümmerten. Der Aufenthalt im → Krankenbau war für die Lagerinsassen mit einem hohen Risiko verbunden. Wurden die Kranken innerhalb kurzer Zeit nicht wieder „arbeitsfähig“ und konnten ins Lager entlassen werden, fielen sie Selektionen zum Opfer. Die → SS-Ärzte, assistiert von den Sanitätsdienstgraden, wählten die Kranken aus und schickten sie in den Tod: Sie wurden vergast oder mit → Phenolinjektionen getötet.
und im SS-RevierSS-Revier
Das Krankenhaus, in dem SS-Personal medizinisch behandelt wurde, hieß SS-Revier. Es war unmittelbar neben der Umzäunung des Stammlagers (Auschwitz I) in einem großen Steingebäude untergebracht. 1944 erbaute die Lageradministration unweit des Vernichtungslagers Birkenau ein SS-Lazarett. Ende Dezember 1944 wurde das Lazarett bei einem alliierten Luftangriff auf der Werke der → IG Farbenindustrie AG beschädigt.
des Konzentrationslagers Dachau waren die Aufgaben, die Klehr übertragen wurden. Anfang 1941 kam er im Rang eines SS-Unterscharführers nach Auschwitz und arbeitete dort gleichfalls als SDGSDG
? Sanitätsdienstgrad
im Häftlingsrevier. 1943 wurde Klehr Leiter des Desinfektionskommandos von Auschwitz, dessen Aufgabe neben der »Entwesung« von Unterkünften und Kleidungsstücken auch die Ermordung von Menschen mit Zyklon BZyklon B
Das „Zyklon B“ genannte Schädlingsbekämpfungsmittel (Hauptbestandteil: Cyanwasserstoff bzw. Blausäure) wurde Anfang der 1920er Jahre entwickelt und für die Firma Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Degesch, 1919 gegründet) patentiert. Anteilseigner der Degesch waren in den 1940er Jahren folgende Firmen: Degussa, IG Farben und Th. Goldschmidt AG. In den Lagern wurde das Giftgas zur Entwesung von Räumen und zur Desinfektion von Kleidung gebraucht. Im Spätsommer 1941 experimentierte die → SS mit dem Giftgas, sie probierte aus, ob mit dem Gas auch Menschen getötet werden konnten. Die sogenannten Probevergasungen erwiesen sich als erfolgreich. Die SS hatte ein Mittel gefunden, Menschen massenweise in geschlossenen Räumen töten zu können.
war. Auch im Nebenlager Gleiwitz war Klehr vorübergehend tätig. Bei der EvakuierungEvakuierung
Mit der Bezeichnung „Evakuierung“ wird die Auflösung der Lager benannt. Die Lagerinsassen mussten in von der → SS streng bewachten Kolonnen aus den Lagern marchschieren. Der Elendszug der Häftlinge wird → „Todesmärsche“ genannt, weil Tausende auf dem Weg in ein anderes Lager oder zu Verladestationen (Bahnhöfen) umkamen.
von Auschwitz bewachte er einen Häftlingstransport ins KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Groß-Rosen, in Niederschlesien gelegen. Von dort aus wurde Klehr zu einer SS-Kampfeinheit kommandiert und von den Amerikanern Anfang Mai 1945 auf österreichischen Gebiet gefangen genommen. Bis März 1948 war Klehr in Kriegsgefangenschaft, zog nach seiner Freilassung zu seiner Familie nach Braunschweig und arbeitete in seinem Tischlerberuf. Im September 1960 hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft den Aufenthaltsort Klehrs ermittelt und der bereits im April desselben Jahres erlassene Haftbefehl konnte vollstreckt werden. 28 Jahre saß Klehr ein. Als der hochbetagte Strafgefangene Anfang 1988 wegen Vollzugsuntauglichkeit entlassen wurde, lebte er noch sieben Monate in Freiheit.