(26. August 1906, Königshütte/Oberschlesien – 31. Mai 1997, Langelsheim-Lautenthal/Harz)
Oswald Kaduk, Sohn eines Schmieds, wuchs unweit von Auschwitz im Oberschlesischen Kohlerevier auf. Nach der Volksschule erlernte er das Fleischerhandwerk und machte 1924 seine Prüfung zum Metzgergesellen.
Arbeit im Schlachthof seines Geburtsorts und Anstellungen bei der städtischen sowie der Feuerwehr eines Chemie-Werks machten bis zur Einberufung in die Waffen-SS im Frühjahr 1940 Kaduks Berufsleben aus. Bereits Ende 1939 war er der Allgemeinen SS beigetreten und hatte sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. Wegen einer Erkrankung nicht zum Einsatz an die Front geschickt, wurde Kaduk nach längerem Lazarettaufenthalt 1942 zum Wachsturmbann des Lagers Auschwitz kommandiert. Für Tätigkeit im Lager tauglich befunden, wurde er alsbald Block- und später RapportführerRapportführer
Für das sogenannte Schutzhaftlager (das umzäunte und bewachte Lager mit den Häftlingsbaracken) war der Schutzhaftlagerführer verantwortlich. Ihm unterstand ein SS-Unterführer ( → SS-Rang), der in der Funktion eines Rapportführers für den zahlenmäßigen Lagerstand, die „Lagerstärke“, zuständig war.
. Im Rang eines SS-Oberscharführer übte Kaduk im StammlagerStammlager
→ Auschwitz I
eine den Lageralltag der Häftlinge überaus bestimmende Funktion aus. Bis zur Aufgabe des Lagers im Januar 1945 war er ein von den Lagerinsassen gefürchteter SS-Mann. Nach Kriegsende blieb Kaduk in der Region, wurde prompt von einem Auschwitz-Überlebenden erkannt und vor ein sowjetisches Militärtribunal gestellt. 1947 zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt verbüßte Kaduk im Speziallager Bautzen sowie in der dortigen Strafvollzugsanstalt bis 1956 seine Strafe. Im Zuge einer Amnestie begnadigt ging er nach West-Berlin. Bis zu seiner erneuten Verhaftung im Juli 1959 arbeitete er als Krankenpfleger, von seinen Patienten geschätzt und verehrt. Im Auschwitz-Verfahren wegen zahlreicher, meist eigenhändig verübter Morde zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt wurde Kaduk von den mit seinem Fall befassten Strafvollzugskammern aufgrund des hohen Unrechts- und Schuldgehalts seiner Taten lange keine Gnade gewährt, alle Gesuche abgelehnt. Weit über das ansonsten übliche Zeitmaß hinaus blieb er inhaftiert. 1984 kam er in den offenen Vollzug, erst Ende Januar 1989 wurde die Strafvollstreckung unterbrochen. Kaduk, inzwischen 82jährig und beinamputiert, war vollzugsuntauglich geworden. Neun Jahre hatte er in der SBZ bzw. der DDR eingesessen, 30 Jahre in der Bundesrepublik. In Seniorenheimen, zuletzt in der Seniorenresidenz Waldschlösschen in Langelsheim im Harz verbrachte Kaduk seinen Lebensabend.