Emil Hantl

(14. Dezember 1902, Mährisch-Lotschnau/Sudeten – 18. August 1984, Plochingen)
Der Sohn eines Fabrikarbeiters machte nach dem Besuch der Volksschule eine Bäckerlehre in Zwittau. Nach dem Berufsabschluss fand er aber nur eine Beschäftigung als Hilfsarbeiter in einer Zwittauer Textilfabrik. Als er die Arbeit verlor, verdingte sich Hantl 1924 bei tschechischen Bauern. Im Jahr 1925 kehrte er nach Zwittau zurück und arbeitete als Weber. Als im September 1938 das Sudentenland an das Deutsche Reich abgetreten wurde, trat Hantl der NSDAP und der Allgemeinen SS bei. Anfang 1940 zog ihn die Waffen-SS ein und Hantl durchlief eine Infanterieausbildung bei einer SS-Totenkopfstandarte. Infanterist Hantl wurde aber nicht an eine Front, sondern Anfang 1940 nach Auschwitz geschickt und tat Dienst im Wachbataillon. Später wurde er Kommandoführer und befehligte ein Häftlingskommando. Als sich Hantl Ende 1942 nach langer Krankheit zum Dienst in Auschwitz zurückmeldete, wurde er der Abteilung SS-Standortarzt zugeteilt und übte nach einiger Zeit die Tätigkeit eines Sanitätsdienstgrads im KrankenbauKrankenbau
→ <Häftlingskrankenbau>
des StammlagersStammlagers
→ Auschwitz I
aus. Im Sommer 1944 versetzte ihn die SS ins Lager Buna/MonowitzMonowitz
Auf dem Boden des polnischen Dorfes Monowice wurde 1942 von dem Unternehmen IG Farbenindustrie AG ein Barackenlager (Lager IV: Dorfrand) errichtet. In dem Lager wurden ab Ende Oktober 1942 KZ-Häftlinge untergebracht. Für das firmeneigene Lager werden die Bezeichnungen „Lager Buna“ bzw. „Lager Monowitz“ gebraucht. Die → SS verwendete die Bezeichnungen „Arbeitslager Buna“ und „Arbeitslager Monowitz“, ab November 1944 auch „KL Monowitz“.
und Ende 1944 in das Nebenlager Jaworzno. In den Wirren von Lagerauflösung und militärischem Rückzug setzte sich Hantl von der Auschwitzer SS ab und meldete sich bei einer Einheit der Organisation Todt. Als Angehöriger der Organisation Todt (OT) und nicht als Waffen-SS-Mitglied wurde er von amerikanischen Truppen gefangengenommen, kam aber nach wenigen Wochen wieder frei. Sein OT-Ausweis schützte ihn vor dem Zugriff der Sieger. In München-Reuth arbeitete Hantl in der Landwirtschaft, zog Anfang der 50er Jahre ins fränkische Marktredwitz und arbeitete dort als Weber. Im Mai 1961 wurde er in Untersuchungshaft genommen und am 19. August 1965, am Tag der Urteilsverkündung, auf freien Fuß gesetzt. Zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt war die Strafe mit der abgesessenen U-Haft verbüßt.