Pery Broad

(25. April 1921, Rio de Janeiro – 28. November 1993, Düsseldorf)
Broad, gebürtiger Brasilianer, kam mit der Mutter als Kleinkind nach Deutschland. Der brasilianische Vater blieb in seinem Heimatland zurück. Zur Schule ging Broad in Berlin und machte 1940 in der Reichshauptstadt sein Abitur. Schon als Zehnjähriger schloss er sich der Hitler-Jugend an. Anfang 1942 meldete er sich freiwillig zur Waffen-SS und kam nach einer militärischen Ausbildung für kurze Zeit an die Front. Wegen Kurzsichtigkeit für den Kriegseinsatz als untauglich erachtet wurde er im April 1942 zum KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Auschwitz versetzt. Wie meist bei Neuankömmlingen üblich, teilte man ihn zunächst einer Wachkompanie zu. Auf eigenen Wunsch versetzte ihn die SS im Sommer 1942 in die Politische Abteilung. Dort blieb er bis zur Auflösung des Lagers im Januar 1945 im Dienst. Eine zweimonatige Dienstzeit im KZKZ
→ Konzentrationslager
Mittelbau-Dora, Bewachungsaufgaben bei Evakuierungsmärschen von KZ-HäftlingenKZ-Häftlingen
→ Konzentrationslager
gegen Ende des Krieges und ein kurzer Fronteinsatz waren Broads weitere Stationen. Im Mai 1945 geriet er in britische Gefangenschaft, bekannte sich im Auffanglager Gorleben (Wendland) britischen Stellen gegenüber als vormaliger Angehöriger der Auschwitzer Lager-SS und stellte sich als Informant zur Verfügung. Von den übrigen Gefangenen separiert und mit Schreibutensilien versorgt, schrieb Broad einen Bericht über Auschwitz und machte ausführliche Angaben zum SS-Personal. Zum Konfidenten der britischen Armee geworden, genoss er bevorzugte Behandlung. Der »Verräter« war nicht mehr mit den deutschen Internierten zusammen untergebracht. Nicht nur den Auschwitz-Bericht schrieb Broad nieder, er machte auch gegenüber britischen Ermittlern ergiebige Angaben über Auschwitz und seine Täter. Die gewonnenen Erkenntnisse fanden in den britischen Bergen-Belsen-Prozessen, in denen auch vormaliges Auschwitzer SS-Personal vor Gericht stand, Verwendung. 1947 wurde Broad von den Briten entlassen, arbeitete als kaufmännischer Angestellter in einem Sägewerk in Munsterlager und sodann bis zu seiner Inhaftierung im April 1959 in Braunschweig. Am Vortag vor Heilig Abend 1960 kam Broad aus der U-Haft frei, erst Anfang November 1964 wurde er, nachdem die Frankfurter Staatsanwaltschaft Nachtragsanklage beantragt hatte, erneut in Untersuchungshaft genommen. Seine Strafe von vier Jahren Zuchthaus hatte Broad bereits im Februar 1966 zu Zweidritteln verbüßt, so dass er wenige Monate nach dem Ende des Prozesses auf freien Fuß gesetzt wurde.