Arthur Breitwieser

(31. Juli 1910, Lemberg – 20. Dezember 1978, Bonn)
Im galizischen Lemberg in Polen geboren, machte der Sohn eines Kellners einen bemerkenswerten Lebensweg. 1931 bestand er das Abitur, absolvierte an der Universität Lemberg das Studium der Rechtswissenschaft und schloss 1938 mit dem »Magister Juris« ab. Nach dem Jurastudium fand Breitwieser, der als Student zwei Jahre lang der »Jungdeutschen Partei« angehört hatte, Anstellungen als Rechtsberater in Lemberg und Bromberg. Als Hitler-Deutschland die Republik Polen überfiel, wurde Breitweiser von der polnischen Polizei verhaftet, von den deutschen Eroberern aber alsbald befreit. Im deutsch besetzten Bromberg fand er wieder eine Anstellung, trat dem sogenannten »Selbstschutz« bei und wurde im November 1939 zur Waffen-SS eingezogen und nach Zwischenstationen in Warschau und Buchenwald im Mai 1940 nach Auschwitz versetzt. Der Jurist Breitwieser machte Dienst in der Lagerverwaltung, zunächst in der Abt. Unterkunft. Doch Breitweiser war nicht nur administrativ tätig, er erlernte im Sommer 1941 bei einem von zwei Angestellten der Hamburger Vertriebsfirma Tesch & Stabenow in Auschwitz abgehaltenen Lehrgang den Umgang mit Zyklon BZyklon B
Das „Zyklon B“ genannte Schädlingsbekämpfungsmittel (Hauptbestandteil: Cyanwasserstoff bzw. Blausäure) wurde Anfang der 1920er Jahre entwickelt und für die Firma Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Degesch, 1919 gegründet) patentiert. Anteilseigner der Degesch waren in den 1940er Jahren folgende Firmen: Degussa, IG Farben und Th. Goldschmidt AG. In den Lagern wurde das Giftgas zur Entwesung von Räumen und zur Desinfektion von Kleidung gebraucht. Im Spätsommer 1941 experimentierte die → SS mit dem Giftgas, sie probierte aus, ob mit dem Gas auch Menschen getötet werden konnten. Die sogenannten Probevergasungen erwiesen sich als erfolgreich. Die SS hatte ein Mittel gefunden, Menschen massenweise in geschlossenen Räumen töten zu können.
. Das Gas wurde zur »Entwesung« von Kleidung und zur Desinfektion von Unterkünften verwendet. Die Arbeit mit dem Giftgas war Breitwiesers Gesundheit jedoch abträglich. Durchaus für anspruchsvollere Aufgaben geeignet, wurde ihm bald eine Leitungsfunktion in der Häftlingsbekleidungskammer-Verwaltung übertragen. Nach viereinhalb Jahren Dienst in Auschwitz begleitete Breitwieser einen Häftlingstransport Anfang 1945 ins KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Buchenwald. Einer SS-Kampfeinheit zugeteilt, geriet er in amerikanische Gefangenschaft. Im Dezember 1946 wurde er an Polen ausgeliefert und im großen Krakauer Prozess gegen Arthur Liebehenschel und weitere 39 SS-Angehörige (24.11.1947–16.12.1947) – Männer und Frauen – vom Obersten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Ein polnisches Gericht gab seinem Gnadengesuch aber statt und minderte Anfang 1948 die Strafe in lebenslange Haft. Nachdem Breitweiser elf Jahre in Polen verbüßt hatte, wurde er im Januar 1959 in die Bundesrepublik entlassen. Er fand Arbeit als Buchhalter im Betrieb seines Schwagers, wurde im Juni 1961 für zwei Wochen in Untersuchungshaft genommen und im August 1965 von Frankfurter Schwurgericht aus Mangel an Beweisen freigesprochen.