Josef Klehr

17. Oktober 1904, Langenau/D – 23. August 1988, Leiferde/D
Persönlicher Werdegang:
Sohn eines Erziehers; besuchte bis 1918 die katholische Volksschule in Wehlau; nach der Tischlerlehre als Geselle tätig; seit 1934 als Pförtner in einem Erziehungsheim tätig; anschließend PflegerPfleger
Die → SS setzte in den → Häftlingskrankenbauten Häftlinge, die meistens von Beruf Mediziner waren, als Häftlingspfleger ein.
in einer Pflegeanstalt; ab 1938 in einem Zuchthaus; nach 1945 in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft; von der Lagerspruchkammer zu dreieinhalb Jahren Arbeitslager verurteilt; nach der Entlassung 1948 als Tischler tätig.

Funktionen während des NS-Regimes:
Mitglied der NSDAP und Angehöriger der Allgemeinen SS seit 1932; seit August 1939 Angehöriger der SS-Verfügungstruppen; im KZKZ
→ Konzentrationslager
Auschwitz in der Abteilung Standortarzt (Abt. V); Leiter des SS-Desinfektionskommandos, SS-SanitätsdienstgradSS-Sanitätsdienstgrad
SS-Angehörige, die in der Abteilung SS-Standortarzt (medizinische Abteilung) in der Funktion von Krankenpflegern tätig waren, wurden Sanitätsdienstgrad (Abkürzung: SDG) genannt. In den → Häftlingskrankenbauten waren SS-Lagerärzte die Vorgesetzten der Sanitätsdienstgrade. Den „Krankenstand“, die Belegung des Krankenbaus mit Häftlingen, bestimmten die SS-Lagerärzte und die Sanitätsdienstgrade. War der Krankenbau nach Auffassung der → SS überfüllt, war die Aufenthaltsdauer eines kranken Häftlings im Krankenbau von meist zwei Wochen überschritten, wurde der Kranke ins Lager als „arbeitsfähig“ entlassen oder fiel einer Selektion für die Gaskammer zum Opfer.
im HäftlingskrankenbauHäftlingskrankenbau
In den Konzentrationslagern wurden Blöcke bzw. Baracken eingerichtet, in denen kranke Häftlinge medizinisch versorgt werden sollten. → SS-Lagerärzte und → SS-Sanitätsdienstgrade waren die Vorgesetzten von → Häftlingsärzten und -pflegern, die sich mit den wenigen zur Verfügung stehenden medizinischen Mitteln um die erkrankten Häftlinge kümmerten. Der Aufenthalt im → Krankenbau war für die Lagerinsassen mit einem hohen Risiko verbunden. Wurden die Kranken innerhalb kurzer Zeit nicht wieder „arbeitsfähig“ und konnten ins Lager entlassen werden, fielen sie Selektionen zum Opfer. Die → SS-Ärzte, assistiert von den Sanitätsdienstgraden, wählten die Kranken aus und schickten sie in den Tod: Sie wurden vergast oder mit → Phenolinjektionen getötet.
in Auschwitz-StammlagerAuschwitz-Stammlager
→ Auschwitz I
sowie in den Außenlagern Gleiwitz I bis IV; Angehöriger der SS-Mannschaft vom 16. September 1941 bis zur EvakuierungEvakuierung
Mit der Bezeichnung „Evakuierung“ wird die Auflösung der Lager benannt. Die Lagerinsassen mussten in von der → SS streng bewachten Kolonnen aus den Lagern marchschieren. Der Elendszug der Häftlinge wird → „Todesmärsche“ genannt, weil Tausende auf dem Weg in ein anderes Lager oder zu Verladestationen (Bahnhöfen) umkamen.
; letzter Dienstgrad: SS-Oberscharführer.

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Zur Zeit der Verhandlung:
59 Jahre, verheiratet, zwei Kinder.
Untersuchungshaft seit September 1960. Josef Klehr wurde wegen Mordes in mindestens 475 Fällen und gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord in mindestens sechs Fällen zu lebenslangem Zuchthaus und 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 25. Januar 1988 wurde die Strafvollstreckung wegen Vollzugsuntauglichkeit ausgesetzt und am 10. Juni 1988 der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt.