Stefan Baretzki

(24. März 1919, Czernowitz – 21. Juni 1988, Bad Nauheim)
In der Hauptstadt der Bukowina, in Cernowitz, kam Baretzki 1919 auf die Welt. Der Sohn eines Telefonmechanikers erlernte nach dem Besuch der sechsjährigen Volksschule das Handwerk eines Nagelrichters und Strumpfwirkers und arbeitete nach seiner Berufsausbildung in einer Czernowitzer Strumpffabrik. 1940 wurde der Volksdeutsche Baretzki zusammen mit seiner Schwester umgesiedelt, heim ins Reich geholt. Arbeit fand er bei einer Speditionsfirma in Schlesien. Anfang 1942 – wie viele junge Volksdeutsche – zur Waffen-SS eingezogen kam Baretzki nach Auschwitz und fand im Vernichtungslager BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
Verwendung als BlockführerBlockführer
SS-Männer, denen befehlsgemäß Häftlingsblöcke unterstanden, wurden „Blockführer“ genannt. Die „Blockführer“ waren Herren über Leben und Tod der Insassen. Die → SS bediente sich sogenannter → Funktionshäftlinge, Block- und Stubenälteste, um in den Unterkünften der Häftlinge (Block, Baracke) „Ordnung“ im Sinne der Lagervorschriften der SS zu halten.
. Im Dienstgrad blieb er in der SS-Rangskala ganz unten, er brachte es in Auschwitz nur bis zum SS-Sturmmann. Im Januar 1945 gelangte Baretzki mit einem Häftlingstransport nach Dachau, wurde zur SS-Division »30. Januar« eingezogen und geriet nach einem Kampfeinsatz östlich von Berlin im Mai 1945 in sowjetische Gefangenschaft. Bereits im Sommer 1945 wurde er entlassen. Er schloss sich einem Kameraden an und ging nach Plaidt am Rande der Eifel, wo er Anstellung als Arbeiter bei Firmen der Kohlen- und Bimsbranche fand. Der Zufall wollte es, dass Baretzki als Todesschütze in den Dokumenten aufgeführt war, die im Januar 1959 dem hessischen Generalstaatsanwalt zugesandt worden waren. So kam der einfache SS-Mann auf die Liste von Auschwitzer SS-Personal, gegen das die Frankfurter Anklagebehörde ein Verfahren einleitete. Noch über ein Jahr dauerte es, bis er von den Strafverfolgern ermittelt werden konnte. April 1960 wurde der Haftbefehl gegen Baretzki vollstreckt. Unter den SS-Angehörigen, die sich in Frankfurt am Main zu verantworten hatten, gehörte Baretzki zu den wenigen, die über das Vernichtungsgeschehen in Auschwitz Angaben machten und auch nicht davor zurückschreckten, Mitangeklagte zu belasten. Der kleine Mann, ohne sein Zutun in die Mordmaschinerie geraten, konnte sich während des Prozesses angesichts der wahrheitswidrigen Einlassungen der einstigen ranghohen SS-Führer darüber empören, dass seine vormaligen Vorgesetzten jegliche Mitwirkung am Mordgeschäft feige bestritten. Baretzki, zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt, beging 1988 Selbstmord.