Afred Wetzler

Alfred Wetzler, 1918 in Trnava (heute Slowakei) geboren, wurde im April 1942 nach Auschwitz deportiert und als Häftling Nummer 29.162 registriert. Wetzler musste zunächst Zwangsarbeit im „Kommando Buna“ leisten, das seit April 1941 beim Bau der Werke der IG FarbenIG Farben
Das Unternehmen „Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG“ erbaute seit April 1941 östlich der Stadt Auschwitz gelegen ein Werk für die Produktion von Kunstkautschuk (→ Buna) und von synthetischem Treibstoff. Der Konzern und die von ihm beauftragten Firmen beschäftigten Tausende von Zivil- und Ostarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. Seit Ende Oktober 1942 gab es unmittelbar neben dem Werksgelände ein firmeneigenes Konzentrationslager, das von der → SS verwaltet wurde. Im Lager Buna/Monowitz waren Ende 1944 über 10.000 Häftlinge untergebracht, die für die IG Farben Zwangsarbeit leisten mussten.
in Auschwitz eingesetzt war, und kam im Sommer 1942 nach BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
, wo er im Lagerabschnitt BIb als Schreiber und Leichenträger im HäftlingskrankenbauHäftlingskrankenbau
In den Konzentrationslagern wurden Blöcke bzw. Baracken eingerichtet, in denen kranke Häftlinge medizinisch versorgt werden sollten. → SS-Lagerärzte und → SS-Sanitätsdienstgrade waren die Vorgesetzten von → Häftlingsärzten und -pflegern, die sich mit den wenigen zur Verfügung stehenden medizinischen Mitteln um die erkrankten Häftlinge kümmerten. Der Aufenthalt im → Krankenbau war für die Lagerinsassen mit einem hohen Risiko verbunden. Wurden die Kranken innerhalb kurzer Zeit nicht wieder „arbeitsfähig“ und konnten ins Lager entlassen werden, fielen sie Selektionen zum Opfer. Die → SS-Ärzte, assistiert von den Sanitätsdienstgraden, wählten die Kranken aus und schickten sie in den Tod: Sie wurden vergast oder mit → Phenolinjektionen getötet.
und später im MännerlagerMännerlager
Die Lagerabschnitte BIb und BIId werden in der Literatur speziell „Männerlager“ genannt, obgleich in anderen Teilen des Lagers auch männliche Häftlinge untergebracht waren.
BIId eingesetzt war. Am 7. April 1944 flüchtete Wetzler zusammen mit dem Häftling Rudolf Vrba aus dem Lager BirkenauBirkenau
Seit Oktober 1941 wurde das von der SS als „Kriegsgefangenenlager“ bezeichnete Lager Birkenau erbaut, das bis in das Jahr 1944 kontinuierlich erweitert wurde. Im Lager Birkenau wurden auch seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern errichtet, die die Orte der Menschenvernichtung waren.
. Die Flüchtlinge gelangten in die Slowakei und gaben Vertretern der Juden in ihrer Heimat einen mündlichen Bericht über die Verbrechen in Auschwitz. Die beiden Schilderungen der Häftlinge wurden zu einem Bericht zusammengefasst, der in die ungarische Hauptstadt Budapest, in die Schweiz und über Mittelsmänner zum Vatikan gelangte. Im Oktober 1944 wurde der Bericht durch die amerikanische Regierung veröffentlicht.
Zur Zeit seiner Vernehmung im November 1964 war der Zeuge Alfred Wetzler 46 Jahre alt und arbeitete als Beamter in Bratislava/Tschechoslowakei.

Buchpublikation:
Jozef Lanik [Pseudonym von Alfred Wetzler]: Was Dante nicht sah. Roman. Aus dem Slowakischen von Erich Mehnert. Berlin: Verlag der Nation, 1967; Frankfurt am Main: Röderberg Verlag, 1967, 292 S.

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Hörbeispiel:
Es war wieder so ein Ereignis zur Dezimierung der Häftlinge, weil das Stehen manchmal viel ärger war als die Arbeit. Nach der Arbeit stehen und ohne Essen und so weiter, stundenlang stehen, von fünf Uhr in der Früh bis neun Uhr abends. [...] Na, ich kann nur wiederholen so im Allgemeinen, dass bei jedem solcher mehrstündigen Appelle die Leute erfroren sind und es nicht ausgehalten haben strammzustehen. Und wenn einer sich einmal gesetzt hat, dann war er schon fertig, dann ist er eingefroren. Das war doch selbstverständlich, ein Mensch, der 35 Kilo oder wie viel wiegt und keine Vitamine hat, war auch nicht viel.
(108. Verhandlungstag, 5.11.1965)

Erläuterung:
Die SS hat die Häftlinge – von der Zwangsarbeit erschöpft, von der unzureichenden Ernährung geschwächt, durch schlechte Kleidung gegen die Witterung nicht geschützt – oft stundenlang AppellAppell
Die Häftlinge mussten auf Befehl der → SS morgens und abends in geordneten Reihen, meist blockweise, antreten und wurden gezählt. In den Lagern und Lagerabschnitten gab es einen Appellplatz, auf dem die KZ-Insassen sich aufstellen mussten. Oft terrorisierte die SS die Häftlinge durch langes Appellstehen. Geschwächte und kranke Häftlinge brachen während des Appells zusammen, manche starben noch auf dem Appellplatz.
stehen lassen. Das Appellstehen war häufig eine Maßnahme der SS, die Häftlinge zu terrorisieren und, wie der Zeuge Alfred Wetzler betont, ihren Tod herbeizuführen. Es kam vor, dass zum AppellAppell
Die Häftlinge mussten auf Befehl der → SS morgens und abends in geordneten Reihen, meist blockweise, antreten und wurden gezählt. In den Lagern und Lagerabschnitten gab es einen Appellplatz, auf dem die KZ-Insassen sich aufstellen mussten. Oft terrorisierte die SS die Häftlinge durch langes Appellstehen. Geschwächte und kranke Häftlinge brachen während des Appells zusammen, manche starben noch auf dem Appellplatz.
angetretene Häftlinge in der Winterkälte erfroren, in der Sommerhitze durch Hitzschlag umkamen, vor Körperschwäche zusammenbrachen und unversorgt lange Zeit liegen blieben, bis sie verstarben. Insbesondere die „MuselmannMuselmann
In der Lagersprache wurden Häftlinge, die vollkommen abgemagert, ausgezehrt, entkräftet und krank waren, „Muselmann“ genannt. „Muselmänner“ fielen meist → Selektionen zum Opfer und wurden anschließend vergast oder durch → Phenolinjektionen getötet. Auch waren sie das von der → SS oder ihren Handlagern (kollaborierende Funktionshäftlinge) bevorzugte Objekt von Misshandlungen, die oft zu ihrem Tod führten.
“ genannten Häftlinge, ausgezehrt, abgemagert und schwach, überlebten das Appellstehen in vielen Fällen nicht.