Ernst Toch

Ernst Toch, 1912 in Wien geboren, wurde Mitte 1939 von der GestapoGestapo
→ <Geheime Staatspolizei>
verhaftet und ins KonzentrationslagerKonzentrationslager
Die → SS richtete unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung (Ende Januar 1933) Konzentrationslager für Menschen ein, die das Regime als politische Gegner betrachtete und deshalb verfolgte.
Die Hauptkonzentrationslager waren: Dachau (1933–1945), Sachsenhausen (1936–1945), Buchenwald (1937–1945), Flossenbürg (1938–1945), Mauthausen (1938–1945), Neuengamme (1940–1945), Ravensbrück (1939–1945).
In den besetzten Gebieten: Stutthof (bei Danzig) (1939–1945), Auschwitz (1940–1945), Groß-Rosen (bei Breslau) (1940–1945), Natzweiler-Struthof (Elsass) (1940–1945), Plaszow (bei Krakau) (1941–1945), Majdanek (bei Lublin (1941–1944).

Sachsenhausen (bei Berlin) verschleppt. Als im Oktober 1942 auf Befehl von Reichsführer SS Heinrich Himmler jüdische Häftlinge aus den im Reichsgebiet gelegenen Konzentrationslagern nach Auschwitz transportiert wurden, kam Toch zusammen mit über 400 Häftlingen nach Auschwitz. Er wurde als Häftling Nummer 70.231 registriert. Nach schwerster Arbeit im Nebenlager Chełmek wurde Toch Häftlingsschreiber im KrankenbauKrankenbau
→ <Häftlingskrankenbau>
Block 21. Im Herbst 1944 kam er in die Bekleidungskammer Block 28 und verwaltete dort das Wäschemagazin. Toch entzog sich dem TodesmarschTodesmarsch
Als im Januar 1945 die Rote Armee sich Auschwitz näherte, beschloss die → SS, das Lager zu „evakuieren“, das heißt, die Häftlinge in streng bewachten Marschkolonnen nach Westen zu treiben. Bei eisiger Kälte, im Schnee, schlecht bekleidet und meist ohne Proviant marschierten die Häftlinge kilometerweit über die Landstraßen. Die Strapazen, die Kälte verursachten, dass viele Häftlinge vor Erschöpfung zusammenbrachen und von der → SS erschossen wurden. Tausende kamen auf diese Weise ums Leben.
, der für die meisten Häftlinge den Tod bedeutete, blieb in Auschwitz und wurde am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit.
Zur Zeit seiner Aussage im Juni 1964 war der Zeuge Ernst Toch 51 Jahre alt und übte den Beruf eines Grafikers in Wien aus.

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Hörbeispiel:
Ein Teil dieses Ganges war am Ende mit Decken verhängt. Vor diesen Decken stand eine Anzahl von Häftlingen, entkleidet. Und nachdem dort niemand anderer zu sehen war, bin ich hinter den Deckenverschlag gegangen, und da konnte ich beobachten, dass ein eben hereingerufener Häftling sich auf einen Hocker setzen musste. Er wurde aufgefordert, die linke Hand über die Augen zu geben, er wurde gefragt, woher er kommt – es ist in verkehrter Reihenfolge gewesen: Also zuerst wurde er gefragt, woher er stammt, und dann hat man ihn aufgefordert, die linke Hand über die Augen zu legen, und dann hat der Klehr gespritzt. [...] In die Brust.
(52. Verhandlungstag, 5.6.1964)

Erläuterung:
In Block 20 in Auschwitz IAuschwitz I
Im November 1943 wurde der Lagerkomplex Auschwitz administrativ dreigeteilt: Das → Stammlager, das seit Mai 1940 existierende, erhielt die Bezeichnung Auschwitz I.
(StammlagerStammlager
→ Auschwitz I
) tötete der Sanitätsdienstgrad Josef Klehr Häftlinge, die im HäftlingskrankenbauHäftlingskrankenbau
In den Konzentrationslagern wurden Blöcke bzw. Baracken eingerichtet, in denen kranke Häftlinge medizinisch versorgt werden sollten. → SS-Lagerärzte und → SS-Sanitätsdienstgrade waren die Vorgesetzten von → Häftlingsärzten und -pflegern, die sich mit den wenigen zur Verfügung stehenden medizinischen Mitteln um die erkrankten Häftlinge kümmerten. Der Aufenthalt im → Krankenbau war für die Lagerinsassen mit einem hohen Risiko verbunden. Wurden die Kranken innerhalb kurzer Zeit nicht wieder „arbeitsfähig“ und konnten ins Lager entlassen werden, fielen sie Selektionen zum Opfer. Die → SS-Ärzte, assistiert von den Sanitätsdienstgraden, wählten die Kranken aus und schickten sie in den Tod: Sie wurden vergast oder mit → Phenolinjektionen getötet.
als „arbeitsunfähig“ selektiertselektiert
Die Auswahl oder Aussonderung von Häftlingen und von nach Auschwitz verschleppten Juden auf der → Rampe wurde „Selektion“ genannt. Selektion innerhalb des Lagers konnte für die Häftlinge zweierlei bedeuten: Verbleib im Lager bzw. Überstellung in ein anderes Lager oder Ermordung: Tod in der Gaskammer, Tötung mit Injektionen, Erschießung. Für nach Auschwitz verschleppte Juden hieß Selektion auf der Ankunftsrampe: Verbringung ins Lager zur Sklavenarbeit oder sofortige Ermordung in den Gaskammern.
worden waren, mit einer Spritze ins Herz. Klehr injizierte den Häftlingen mit einer sogenannten Rekordspritze (lange Hohlnadel mit großem Glaszylinder und Metallkolben) PhenolPhenol
Phenol (Karbolsäure) ist ein Mittel, das ursprünglich zu Desinfektionszwecken gebraucht wurde. Die SS experimentierte bereits seit Mitte 1941 mit Mitteln, mit denen Häftlinge getötet werden konnten. Phenol, direkt ins Herz der Opfer gespritzt, erwies sich als sehr effektives Tötungsmittel.
(Karbolsäure). Die Häftlinge waren meist sofort tot. Der Angeklagte Klehr ermordete auf diese Weise auf Befehl eines SS-Arztes oder eigenmächtig Hunderte von Häftlingen. Im Lagerjargon wurden die Tötungen durch eine Spritze mit PhenolPhenol
Phenol (Karbolsäure) ist ein Mittel, das ursprünglich zu Desinfektionszwecken gebraucht wurde. Die SS experimentierte bereits seit Mitte 1941 mit Mitteln, mit denen Häftlinge getötet werden konnten. Phenol, direkt ins Herz der Opfer gespritzt, erwies sich als sehr effektives Tötungsmittel.
direkt ins Herz „Abspritzen“ genannt.